Von Gammlern und Löterinnen (S01/E11)
Shownotes
„Wir“ (Freddy Quinn)
„Man sagt, er war ein Gammler“ (Text: Andreas Malessa, Musik Larry Norman) Auf der LP „Weder Arno noch Andreas“ von Arno&Andreasm Blue Rose LP 20100
„Du kleine Löterin“ (Text und Musik: Peter Janssens) Auf der LP „Leben wird es geben“, 1975 (Produktion für den Kirchentag 1975 Frankfurt/M.)
„Sei ruhig Fließbandlady“ (Floh de Cologne)
„Leben wird es geben“ (Text: Friedrich Karl Barth, Peter Horst, Musik: Peter Janssens) Auf der LP „Leben wird es geben“, 1975 (Produktion für den Kirchentag 1975 Frankfurt/M.)
„Hallo, Herr Nachbar“ (Cindy und Bert)
Transkript anzeigen
00:00:06: Herzlich willkommen zum Podcast Pop-Ghost Church.
00:00:08: Wir sind
00:00:09: Hartmut Naumann, ich leite das Popularmusikzentrum in Hannover
00:00:14: und Stefan Reinke Kantor im Zentrum für Popularmusik in Itzehoe.
00:00:17: Ja wir unterhalten uns in unser Podcast über neue Lieder und die Entwicklung von Popular Musik in der Kirche.
00:00:25: Und jetzt geht's los!
00:00:29: Ja herzlich Willkommen Stefan und herzlich willkommen an alle Podcast-Hörerinnen und Hörer zu unserer neuen Folge.
00:00:38: Hallo Hartmut!
00:00:40: Ich möchte mal einsteigen mit einem herzlichen Dank an Janina aus Hamburg, die hat uns nämlich vor Kurzem aus ihrem Fundus ein paar Schallplatten geschickt, die von Kirchentagen Stamm, ganz spannende Sachen.
00:01:00: Und zum Glück habe ich noch mal einen Schallplattenspieler und hab mir die Sachen natürlich alle angehört.
00:01:06: Da können wir gerne mal drüber sprechen.
00:01:07: Unter anderem ist da eine Platte dabei, die heißt Leben wird es geben!
00:01:13: Das ist eine Schall-Platte vom Pete Jansons Gesangsorchester für den Kirchentag entstanden ist, mit ein hoffen interessanter Lieder und da können wir auch nachher mal in den einen oder anderen Song reinhören.
00:01:32: Das war das fünfte.
00:01:32: Siebzehre sind Mitte der Siebzigerjahre.
00:01:36: Ja, neunzehnfünfeundsiebzig ist by the way mein Geburts Jahr.
00:01:40: Insofern bin ich Kind des siebzigere Jahre.
00:01:45: Vielleicht versuchen wir mal so reinzuspringen.
00:01:47: was waren die siebzehr jahre eigentlich für ein Jahrzehnt?
00:01:49: in Westdeutschland jetzt zunächst Mal und in Westeuropa.
00:01:55: Nach dem Zweiten Weltkrieg ist ja Westdeutschland ziemlich stark von so einem... Wachstums, Euphorie gestartet worden.
00:02:03: Das Wirtschaftswachstum es geht wieder aufwärts.
00:02:05: wir sind wieder wer.
00:02:06: irgendwann wird man sogar noch Fußball Weltmeister also alles ganz groß gewesen in den fünftiger Jahren das ging eigentlich so weiter.
00:02:13: unter den siebziger Jahren kamen die erste wirtschaftliche Delle.
00:02:17: Die siebzeigere Jahre ist ein Jahrzehnt in denen gibt es wirtschaftlich Krisen Es gibt Arbeitslosigkeit es gibt autofreie Sonntage Auf einmal womögliche Thema dass uns wieder begegnen wird bald.
00:02:30: Das war alles zu der Zeit.
00:02:31: Es ist gleichzeitig ein Jahrzehnt, dass man ganz gerne auch als Einjahrzehnte des Utopie-Verlustes bezeichnet.
00:02:38: Es gibt schon Jean-Francois Lyotard, französischer Philosoph, der hat das beschrieben.
00:02:41: die Zeiten der großen Utopien sind vorbei.
00:02:44: Ende der sechziger Jahre ist man auf dem Rund gelandet und in den siebziger Jahren etwas verkürzt.
00:02:49: gesagt haben sich alle Leute gefragt ja aber was hat es uns eigentlich gebracht?
00:02:53: Da sind so Menschen aufm Rund rum gestapft oder wir wissen gar nicht was es bringen soll.
00:02:57: Politisch sind wir in der Zeit, der Post-Achtundsechzigerzeit.
00:03:02: Also die Achtundsächziger sogenannte Revolution hat ja relativ viel Umsturzveränderung mit sich gebracht dahingehend das linkes Gedankengut salonfähiger wird.
00:03:15: ein bisschen zum Ärger der Altvorderin.
00:03:19: Noch in den Sechzigerjahren gibt es dieses Bild des Achtundsechzigers mit langen Haaren und was weiß ich, langer Kleidung und schlabberig und Turnschuhen die dann später die Grünen wurden irgendwie auf einer Art war eine der Sechzeigerjahre von Ludwig Erhard ja seines Zeichens Bundeskanzler.
00:03:37: eines Detailes so lange ich regiere werde ich alles tun um diese Pest auszurotten also diese Peste der sogenannten Gammler.
00:03:45: das war der Begriff der dafür aufgeht aufgenannt.
00:03:48: Und diese Gammler waren so ein großes Feindbild, dass sie sogar musikalisch bekämpft wurden von keinem anderen als Freddy Quinn.
00:03:55: da möchte ich mal einmal einsteigen.
00:03:56: kurzen Ausschnitt aus einem Lied von Freddy Quinn über die Gammle der Text wer will nicht mit diesen Gammlern verwechselt werden?
00:04:04: und Freddy Quinn singt wir.
00:04:42: Ja, das war so ein bisschen das Klima offensichtlich.
00:04:44: Es gab zwei gesellschaftliche Gruppen.
00:04:45: Einmal die Gammler – das sind die Studenten, die Achtundsechziger, die Antikapitalismus-Gruppierung und uns!
00:04:55: Wir, Freddy Quinn und alle anderen irgendwie, die sagten, dass ist ja nicht zu fassen.
00:04:59: Die arbeiten nicht, sie wollen nichts, die tun nix mehr für den Zwachstum Den geht's womöglich sogar um sowas modernes wie Work-Life Balance, was man zu der Zeit noch nicht so genannt hat.
00:05:08: Das kann ich sein und in dieser Zeit fällt dann in den siebziger Jahren eben so eine Art von das erste Zweifel daran ob das mit dem Kapitalismus aus einem ungezügelten Wachstum eigentlich ne gute Idee ist.
00:05:19: es gibt da auch Club of Rome.
00:05:20: dieses berühmte Schrift Grenzen des Wachstooms ist von derzeit zweihundsiebzig Und diese Gedanken ziehen so ein Kirche und sagt, dass es doch dezidiert eigentlich christlich das wir uns mit diesen Fragen auseinandersetzen wollen.
00:05:33: Da spielt später die Umweltbewegung auch draus Und eigentlich ist es doch der natürliche Vorgang Dass Christen zu diesen sogenannten Gammlern gehören müssten und vor allem Jesus ja bestimmt ein Gammler gewesen ist.
00:05:47: Es gibt einen NGL Das hier so heißt.
00:05:49: man sagt er war ein Gummler nämlich jesus auf eine Larry Norman Melodie von Andreas Mahlesser.
00:05:55: erst der Text Können wir auch einmal kurz reinhören vielleicht.
00:06:09: Und wenn man so will, ist das jetzt das Feld in dem auch neue Lieder entstehen?
00:06:36: Und gerade in der Popularmusik auch, die ja viel aus der Jugendarbeit gekommen ist.
00:06:39: Wie wir schon in vielen Folgen gesehen haben und da gibt es dann diesen Verknüpfungspunkt zwischen der jungen Generationen, Achtundsechziger geprägt... ...und einem politischen Bewusstsein das dann in extremen Folgen irgendwann zum RF Terror führte natürlich auch.
00:06:57: radikalisiert, aber im Kleinen eben auch das und auf den Kirchentagen auch eine große Rolle spielte.
00:07:03: Also die Kirchentalge werden in den Siebzigerjahren zu politischen Veranstaltungen.
00:07:07: Und da sind wir dann bei dieser Platte und können vielleicht ein bisschen reinschauen und gucken was wir da NGO-technisch, was uns da begegnet?
00:07:15: Genau!
00:07:15: Vielen Dank für diese historische Einordnung.
00:07:18: Das ist sehr spannend wie du das beschrieben hast.
00:07:21: Ich war übrigens in der siemten Klasse In der DDR und in dieser Zeit war das DDR-Regime wirklich noch auf dem Trip, so nachdem wollte dass der Kommunismus kurz bevorsteht.
00:07:36: Dass alles wunderbar ist, dass es alles prima ist.
00:07:39: Uns haben sie damals in der Schule wirklich mitgeteilt Wenn ihr mal groß seid, wenn ihr mal erwachsen seid dann ist der Kommunismus da Jeder nach seinen Fähigkeiten und jedem nach seinen Bedürfnissen.
00:07:54: Das heißt es gibt Geschäfte, da braucht man nichts mehr zu bezahlen, dann nimmt man das was man braucht usw.
00:08:00: Genau das war die Kommunismusvorstellung.
00:08:03: Egal aber das ist ja gar nicht unser Thema heute.
00:08:07: Du hast jetzt geschickt übergeleitet zu dieser Platte tatsächlich, normalen neunzehntfünfundsiebzig Kirchentag Piediansens Lieder Der damals vierzigjährige Musiker Kompetiz und Textdichter Pete Jansons aus Telgte in Westfalen.
00:08:23: Der hatte dann ein sogenanntes Gesangsorchester, das hat sich gerade um diese Zeit auch gebildet.
00:08:28: Das war eine relativ wilde Truppe von Leuten und zu denen gehörte auch Frank Vockele.
00:08:35: mit dem habe ich kürzlich mal telefoniert, wohnt in Hamburg, er hat mir ein bisschen was erzählt dazu auch zu dieser Platte und zu diesem ja zu diesem Feeling wie das da so war beim Kirchentag.
00:08:48: Und es ist ein Lieder drauf, das heißt du kleine Löterin.
00:08:53: Der Text geht Du Kleine Löterinn Halle sechs Platz sieben.
00:08:57: was hast Du alles schon gelötet?
00:09:00: Was ist von dem Mehrwert Deiner Arbeit übrig geblieben in deiner gottserbärmlichen schmalen Lohntüte?
00:09:06: Du meine Güte!
00:09:08: Schöner Schlussheim übrigens.
00:09:10: und so geht es noch weiter.
00:09:11: wir können mal reinhören in diesen sehr skurrilen Song Du kleine Lötherinnen
00:09:31: Was hast du alles schon gelötet?
00:09:37: Es ist von dem Meer wird deiner Arbeit übrig geblieben.
00:09:41: In deiner Gottseher wärmlich schmalen Lohntüte, Du meine Güte!
00:09:50: Täglich das gleiche Schaltplatine her Widerstände reinstecken
00:09:58: und dann der Geruch vom Lötsinn
00:10:03: Und täglich derselbe Blödsinn.
00:10:11: Ja, das ist schon klasse Lötzeln auf Blödsinn zu räumen.
00:10:15: Das müssen wir erst mal drauf kommen.
00:10:16: Das ist schon cool.
00:10:18: Aber es ist genau, entspricht so ein bisschen dem was du vorhin gesagt hast ne?
00:10:22: Dass man eine sehr starke Identifikation hat mit der arbeitenden Bevölkerung und den einfachen Leuten.
00:10:29: Da steckt eine ganze Menge Sozialkritik drin.
00:10:31: Man könnte fast auch so revolutionäre Gedanken da drinnen vermuten Und Frank hat mir auch erzählt dass dieses Lied gar nicht die Nasserlinie für den Kirchentag entstanden war, sondern für einen Bundstreffen der katholischen christlichen Arbeiterjugend.
00:10:48: Der CRJ und das ist ganz interessant!
00:10:51: Das ist eine Gruppe, die gibt es auch immer noch und man kann auf deren Webseite nachlesen was sie so sind, was sie machen und schreiben da.
00:11:01: Wir gehen von den Lebensrealitäten der jungen Arbeiterinnen aus.
00:11:06: Besonders haben wir hier die Lebensrealität im Blick in denen Menschen ausgeschlossen, diskriminiert und ausgebeutet werden.
00:11:13: Dadurch erkennen wir dass ein Großteil unseres Lebens im Widerspruch zu unserer von Gott gegebenen Würde steht und so weiter und sofort.
00:11:20: das ist eine sehr diesseitig bezogene Ausrichtung des Glaubens, CRJ-Vertritt.
00:11:28: Für dieses Bundesreifen war das Lied entstanden und es ist dann eben auch auf die Kirchentagsplatte gekommen, ja?
00:11:34: Und Frank Vockele, der dort Schlagzeug spielt und auch mitsinkt, der ist quasi wie die Jungfrau zum Kind gekommen bei diesem Gesangsorchester eingestiegen.
00:11:44: Er war eigentlich Tanzmusiker und hat irgendwie auch davon gelebt und war so Tanzmucker.
00:11:50: Und Pete Jansons ist dann bei einem seiner Auftritte gewesen und hatte ihn da von der Bühne weg.
00:11:55: quasi engagiert so nach dem Motto, wir haben eine Produktion laufen und mir ist das Schlagzeug abhangen gekommen.
00:12:02: Du musst jetzt
00:12:02: mitkommen.".
00:12:05: Und schon sitzt man bei der kleinen Löterin?
00:12:07: Ja, sitzt
00:12:08: mal bei einer kleinen Lötherin und spielt das Schlagezeug.
00:12:11: Und wie ich finde – wenn man es gerade gehört hat….
00:12:14: Das ist wirklich ein sehr typischer Schlagsorgssound der siebziger Jahre.
00:12:18: Sehr sechzehntelorientierte Groves hatte sozusagen diesen Zeitgeschmack wirklich in seinem Instrument auch super drauf Ganz interessant.
00:12:27: Ja, Frank Fockelde selber ist auch dann später als Textich dafür neue geistliche Lieder hat er sich auch einen Namen gemacht.
00:12:35: das sind eine ganze Menge Songs von ihm auch entstanden.
00:12:38: ich habe selbst auch mal was vertont von seinen Texten.
00:12:40: also ganz interessanter Mensch der sozusagen im Windschatten von Pidiansens da an die Kirchentagsmusik gekommen ist.
00:12:50: ja diese Löterin.
00:12:51: das ganz spannend finde ich weil dass Ein Thema ist, was in der Deutschsprachigen etwas alternativen Musik eine Rolle gespielt hat und später dann auch so in der Mainstreammusik.
00:13:00: Es gibt in den achtziger Jahren ein Song von Klaus Lage, Monopoly heißt das.
00:13:05: Da besingt er seinen Vater Ja vater du bist noch vom ganz alten Schlag seit vierzig Jahren pünktlich jeden Tag.
00:13:12: Du warst nie krank und bist noch drauf stolz.
00:13:15: Jetzt heisst es was solls?
00:13:18: Und dann geht's so weiter Monopoly, Monopoly.
00:13:21: Wir sind nur die Randfiguren in einem schlechten Spiel.
00:13:24: also dieses gleiche Thema.
00:13:25: Also diese sinnentfremdete Tätigkeit.
00:13:27: und noch ein bisschen krasseres und da sollten wir noch einmal rein hören.
00:13:31: Ein Song von der Gruppe Flo de Colonie und das Song heißt Fließband Baby und der ist im Grunde die etwas radikalisierte Reformen der kleinen Lüterin schon ein bisschen früher entstanden.
00:13:43: Wir hören einmal kurz rein.
00:13:47: Ich will aber nicht immer das gleiche tun.
00:13:52: Ich will aber meine Gesundheit nicht völlig ruinieren.
00:14:02: Sei ruhig, fließt von Baby fürs
00:14:14: Alter vorsorgen!
00:14:19: Ja und so weiter.
00:14:20: also da sieht man sowieso sagen die gedanklichen Welten so ineinander eins werden irgendwie in diesem gemeinsamen politischen Thema.
00:14:28: was da irgendwie die siebziger Jahre auch durchzieht.
00:14:32: Genau, der steckt ja auch Wohlstandskritik dahinter und da mit drin usw.
00:14:36: Also das ist sozusagen eine Art linke revolutionäre Konzeption die da wirklich deutlich wird sowohl offenbar in der Kirche oder den NGLs als eben auch in der säkularen Popmusik kommt, dass man so will.
00:14:54: Gibt es durchaus eine Entprechung?
00:14:55: Und auf dieser Platte von der ich gesprochen habe Leben wird es geben gibt es auch den Titelsong Und der geht nämlich in eine ähnliche Richtung.
00:15:03: Der heißt Leben wird es geben, beziehungsweise man kann ihn auch nennen spielt nicht mehr die Rolle und das heißt dann spielt nicht nur die Rolle die man euch verpasst.
00:15:13: Schminkt nicht eure Masken, bis der Tod euch fast.
00:15:16: springt ihm von der Schippe.
00:15:18: Macht euch unbekannt!
00:15:19: Such das eigene Leben.
00:15:21: Nehmt euch in die Hand und dann ihre Fragen.
00:15:24: leben, leben wird es geben.
00:15:27: Leben, Leben vor dem Tod Das ist ja ein scheidende Schlüsselsatz.
00:15:33: Leben vor den Tod.
00:15:34: Auch hier können wir mal kurz reinhören in diese Nummer Schminnt nicht eure Masken, bis der Tod euch fasst.
00:15:56: Im Fonderschippe.
00:15:58: macht euch unbekannt.
00:16:00: Sucht das eigene Leben, nehmt euch in die Hand.
00:16:03: Leben wird es geben!
00:16:23: Euch unterscheiden?
00:16:25: Geht euch endlich frei.
00:16:27: Nur beschränkte Köpfe wollen als einerlei.
00:16:31: Achtet andere Farben.
00:16:33: Hütet euch vor Krieg.
00:16:35: Lass das
00:16:43: Missionieren.
00:16:43: Friehen heißt er Sieg.
00:16:48: Ja, lasst das missionieren!
00:16:50: Frieden heißt der Sieg.
00:16:53: Frieden wird es geben, Frieden vor dem Tod.
00:16:57: Aber ich finde das Lied auch musikalisch, muss ich sagen sehr interessant denn das sind doch sehr typische Sounds und Groves der siebziger die in diesem Lied vorkommen Und da geht's ordentlich ab.
00:17:10: Das ist ein typischer siebzigers Style.
00:17:13: Und Frank hat mir erzählt, in diesem Kirchentag, in den Kürchen haben die mit dem Gesangsorchester Piedianzen so viele Auftritte gehabt.
00:17:23: Die haben in fünf Tagen zwanzig Konzerte gespielt, inklusive auch Abschlussgottesdienst.
00:17:29: also die hatten so viel zu tun und hatten irgendwie zwei Tonanlagen wo jeweils eine Anlage schon aufgebaut wurde weil die Musiker sozusagen von gig-zu-gigg unterwegs waren.
00:17:42: quasi so ein ironisch geflügeltes Wort, wo sie gesagt haben der Spruch Leben wird es geben vor dem Tod.
00:17:50: Das war für Sie eigentlich Leben wird das geben nach den Kirchentagen.
00:17:54: also die waren fix und fertig.
00:17:55: sozusagen hat so viel zu tun aber es zeigt auch nochmal dass das unheimlich populär war.
00:18:01: Also diese Art von Liedern und eben auch Pete Jansons mit seinem Gesangsorchester, die hatten nicht nur beim Kirchentag aber auch sehr viel zu tun, aber auch so unterjährig waren sie also permanent unterwegs.
00:18:15: Sie haben zum Beispiel in two-in-zwei-neunzig hundert vierzehn Termine gehabt im Jahr.
00:18:22: Das ist also jeder dritte Tag sozusagen, wo wir gespielt haben.
00:18:25: Ja, eine Stramme.
00:18:26: Wir haben richtig viel unterwegs!
00:18:28: Interessant ist ja so ein bisschen das Kirchenbild, was an diesem Lied zu drin... Also hört auf zum Missionieren.
00:18:34: Sondern besinnt euch mal auf das, was ihr als Menschen seid, also was Gott euch mitgegeben hat umzuexistieren und konzentriert euch einmal auf das Wesentliche irgendwie.
00:18:44: Das ist ja eine sehr sublime Kirchlichkeit eigentlich nur die da zu drinnen ist.
00:18:50: Und das finde ich ganz interessant, weil es gibt schon diese institutionelle Sinnfrage, die damit auch einhergeht.
00:18:56: Die stellt sich an vielen Stellen.
00:18:57: Die siebziger Jahre sind ja auch so ein Jahrzehnt, wo sich kirchlich so viel ändert.
00:19:01: Das ist da, wo die goddessdienstlichen Ordnungen ausdifferenzieren und alternative Gottesdienstekonzepte aufkommen.
00:19:08: Wo Jugendarbeit noch mal neu gedacht wird in Kirchengemeinde.
00:19:11: Also ganz neue Formen von kirchlicher Arbeit entstehen.
00:19:18: Wo vieles in dem Grunde, was heute oder Anfang der zweitausender Jahre sehr wichtig war.
00:19:23: Weil dann natürlich eine ganze Generation Pastoren und Pastoren mit dieser Haltung aufgewachsen sind.
00:19:31: Diese hinterfragte Kirchlichkeit, die findet sich bei Piet Jansens auch.
00:19:34: an anderer Stelle hat er schon mal, das haben wir auch schon mal zitiert ein Lied von ihm, der Kirche wofür?
00:19:39: Wo er diese Frage stellt was sind wir eigentlich als Kirche?
00:19:42: es geht doch nicht darum dass wir große Prunkbauten haben, dass wir teure Orgeln haben und dabei eigentlich vergessen um was es wirklich geht nämlich offensichtlich die soziale Frage Und damit verknüpft alles, was da mit einhergeht.
00:19:57: Was dann in den Achtzigerjahren sehr, sehr wichtige kirchliche Themen werden.
00:20:01: Also damals noch hieß es noch dritte Welt, aber heute eine Weltbewegung, Einsätzen für die Schöpfung... Alles große Kirchentagsthemen auch?
00:20:10: Genau!
00:20:11: Eine Diesseitsorientierung wenn man so will.
00:20:14: Die Weltverantwortung der Christen sozusagen für den Nächsten und für ein gutes gelingendes gerechtes Miteinander sozusagen nach dem Vorbild des neuen Testamentes.
00:20:27: Das war für die damals sehr wichtig und ich vermisse es heute in kirchlichen Äußerungen wieder, also da kommt mir zu wenig zur Zeit.
00:20:39: Also auch zum Beispiel bezogen auf die Frage von Frieden oder Krieg
00:20:43: usw.,
00:20:45: aber da könnte man eine eigene Podcast-Folge dazu machen wie sich Kirche aktuell dazu verhält zu dieser schwierigen Frage.
00:20:54: Und das ist auch ganz interessant, wenn wir da nochmal in die Siebzigerjahre insgesamt gucken.
00:20:58: Da ist dieses Thema von Solidarität und so... Das findet sich immer mal wieder auch in verschiedenen schlagerartigen Strukturen.
00:21:07: Es gibt ein Lied von Cindy & Bert Hallo Herr Nachbar wo es auch noch um diese solidarisch miteinander sein geht auf einer etwas kleineren Ebene als die Kirchenlieder des Main-Aber.
00:21:17: trotzdem auf einem ganz netten Hören wir auch nochmal ganz kurz rein.
00:21:52: Ja, sehr spannend.
00:21:55: Das ist die etwas für kindlichte Form vielleicht von der Weltsolidarität aber im Kleinen.
00:21:59: es ist auch Schlager.
00:22:00: da muss man sagen dass das überhaupt anspricht.
00:22:02: Es wagt nicht wie jeder so viel wie Udo Jürgens.
00:22:05: Von dem gibt's ja auch dieses große Lied Liebvaterland wo er ganz ganz große Konsumkritik äußert.
00:22:11: das müssen wir jetzt nicht vorspielen das kann man sich aber sehr gerne mal anhören.
00:22:14: das ist ein Lied das wie eins zu eins in die heutige Zeit passt und eigentlich auch an die Kirchenzeit damals gepasst hätte.
00:22:20: Also ein bisschen mehr Freundlichkeit, ein bisschen meer Humor und ein bisschen verantwortung für alles.
00:22:25: Das ist so der große Klammer, die da irgendwie drin steckt.
00:22:30: Ja!
00:22:31: Da sind wir doch mal ein bisschen durch die siebziger Jahre durchpaschiert mit ein paar auch Liedbeispielen diesmal bis hin zum Kirchentag.
00:22:39: Und ich sage einfach nochmal Danke an Janina für die Schallplatten.
00:22:44: und wenn ihr weitere Anregungen habt oder vielleicht uns Tonmaterial oder sowas schicken wollt, was wir dann mal besprechen können.
00:22:53: Dann macht das gerne und meldet euch bei uns.
00:22:57: Kommentiert gerne auch das, was wird dazu erzählen?
00:23:01: Oder zeigt euren Widerspruch oder was auch immer?
00:23:06: Oder eure Zustimmung genau!
00:23:07: Und wir sehen uns dann wieder beim nächsten Folge würde ich sagen.
00:23:12: Ja vielen Dank bis zum nächsten Mal.
00:23:14: Danke Tschüss.
Neuer Kommentar